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Das Gesamtwerk von
Gude Schaal
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Galerie .

Das Gesamtwerk von Gude Schaal

Ohne Titel IV, 2011

70x50

Herbstliches, 2011

70x50

Mit Blumen, 2011

70x60

Ansagerin, 2010

70x50

Tuch im Wind, 2009

80x60

Schwarzer Tisch, 2009

80x60

Drei Tulpen, 2009

70x50

Sonnenblumen, 2008

70x50

Weisse Gardine, 2002

80x60

Maltisch mit Bild, 2001

80x60

Maltisch im Winter, 2001

80x60

Geburtstagstisch, 2001

65x80

Gabentisch, 2001

70x50

Blumen mit Bild, 2001

70x50

Mit Gerbera, 2000

70x50

Mit Glasvase, 2000

74x52

Biografie .

1915

geboren in Hamburg-Altona

1935

Abitur in Stuttgart (humanistisches Mädchengymnasium)

1936-39

Kunststudium in Hamburg (Professoren Paul Helms und Rudolf Neugebauer) München (Professor Adolf Schinnerer) und Leipzig als Meisterschülerin bei Professor Walter Tiemann.

1940-42

freischaffend in Buchillustration

1942

Heirat nach Reutlingen, zwei Kinder

1954-92

häufige Reisen an die Nordsee

1956

Neubeginn der Malerei; Aquarell und Gouachen

1960

Beginn der Ölmalerei

1970

Beginn von Linolschnitt und Monotypien, erste Einzelausstellung durch die Hans-Thoma-Gesellschaft in Reutlingen.

Einzelausstellung und Beteiligungen in Reutlingen, Stuttgart, Tübingen, Eningen, Pfullingen, Ulm, Freiburg, Graz, Roanne u. a., insgesamt über 60

2009

Einzelausstellung Neue Bilder in Reutlingen

2011

Ausstellung „Ü 80“ in Saulgau und Einzelausstellung in Reutlingen

2011

Todestag am 26.12.

   

 

Mitglied in der GEDOK, im Malerkollegium Reutlingen und in der Hans-Thoma-Gesellschaft/Kunstverein Reutlingen. 

Die Werke befinden sich in Privatbesitz, in städtischen und staatlichen Sammlungen.

Rezensionen .

Stimmen über Gude Schaal

Das Haus in Reutlingen, in dem Gude Schaal 70 Jahre lang gelebt hat, gibt es nicht mehr. Dieses Haus in der Herderstraße, genauer: die Wohnung im ersten Stock mit dem großen Balkon, konnte sie in den letzten zehn Jahren ihres Lebens - krankheitsbedingt - nicht mehr verlassen. Sie, die ihre norddeutsche Heimat als junges Mädchen mit dem Fahrrad durchwandert hat, das weite Land an Elbe und Meer mit dem hohen Himmel, dem Wind und den mächtigen Wogen, wo die Gezeiten den Tag und das Leben bestimmen - sie, die den Norden immer geliebt hat, ist im schwäbischen Süden nie richtig angekommen. Das Gefühl des Fremdseins hat sie nie ganz verlassen. Sie hat deswegen nicht geklagt; aber die große Sehnsucht nach dem Norden ist geblieben. Den sie früher noch in machen Urlauben besuchen konnte, dann aber nicht mehr. Den sie bis zum Ende ihres Lebens als ihr inneres Land Orplid, um mit Mörike zu sprechen, in sich getragen hat. Und dem sie in ihren Gemälden ebenso grandiosen wie berührend wehmütigen und stets auch kraftvollen und farbmächtigen Ausdruck verliehen hat. Ihre Nordseebilder sind kein Lamento. Sie verbürgen in der Erinnerung auch Momente des Glücks und sind der Malerin eine zweite Heimat in der Kunst geworden. Eine Heimat, in der Gude Schaal trotz Schmerz und Entsagung auf ihre Weise zufrieden gelebt hat.

Ihr Haus ist vergangen. Aber das, was darin mit einer bewunderungswürdigen schöpferischen Energie bis ins hohe Alter geschaffen wurde, ein künstlerischer Ertrag von rund 1300 Werken, dieses andere Haus ihres Wirkens steht unversehrt und festgefügt in seinem Wert vor uns. Bestätigung dafür liefern dieser Katalog zum 100. Geburtstag Gude Schaals am Ende dieses Jahres und die Ausstellung in der Kreissparkasse Reutlingen, mit der dieses Institut der Malerin zum wiederholten Male seine Hochachtung bezeugt.

Die Ölgemälde auf Hartfaser bilden mit etwa 880 Werken den umfangreichsten Teil im Schaffen Gude Schaals. Davon listet der Katalog gut 100 Bilder auf. In der Ausstellung werden um die 30 gezeigt, die auch alle im Katalog vertreten sind. Thematisch überwiegen bei den Ölgemälden die nordischen Bilder, die Gude Schaal fast alle aus ihrer Erinnerung gemalt hat. Emil Nolde, auch ein Maler des Nordens, hat sie in einer Art Initialzündung nach einer Lebenskrise zur Malerei gebracht. „Ein Wunder geschah“, sagte sie, als ihr ein Büchlein mit Bildern Noldes in die Hände kam. „Es war, wie wenn ein Blinder sehend wird, so ging es mir auf. Das Eigenleben der Farbe, die Freiheit der Form.“

Zuerst hat sie mit dem Spachtel gearbeitet, später nur noch mit dem Pinsel. Sie hat weder Nolde nachgeahmt noch den von ihr hochgeschätzten Max Beckmann, aber der expressive Gestus beider findet sich auch bei ihr in einer verstärkenden Verdichtung und herben Schönheit des Ausdrucks. Sie erzählt in ihren Nordseebildern von der Wucht der Elemente. Von hoch aufschäumenden Wogen, vom Sturm, der die Segel zerfetzt und Boote kentern lässt, von Küsten und Deichen, von Leuchttürmen, die trotzig Wache halten, und immer wieder und immer in neuer Großartigkeit der Farbengluten von den großen Himmeln, die alles überspannen. Sie gleichen in ihren Durchstrahlungen der Farben kosmischen Lichtinszenierungen, die Erhabenheit verkünden, die aber auch ganz leise und fahl werden können und in namenloser Stille verharren. Überall in diesen Bildern sind auch die Chiffren und Symbole der Vergänglichkeit und Einsamkeit zu sehen. Das leere Boot am Ende seiner Fahrt. Das Strandgut des Lebens. Die Häuser ohne Fenster. Linien, die aus dem Lot geraten sind. Melancholie. Leere. Ein endgültiges Schweigen. Oder doch nicht? Denn oft öffnet sich ein Licht von oben, das bei Gude Schaal immer auch eine spirituelle Quelle ist. Erscheinung eines Überirdischen. Eines Heilenden in einer anderen Welt. An die sie, den Tod nicht fürchtend, glaubt.

Ihre Blumenbilder gleichen geschwisterlichen Geschöpfen, die sie mit Anmut und einer innigen Präsenz der Farben versieht. Keine bunten Sträuße sind es, sondern beseelte Wesen, die im Antlitz ihrer Farben alles sagen. Aber auch hier spielt manchmal die Wehmut hinein. Wenn eine Blüte sich neigt und verwelkt. So wie die Kerze verlischt. Der Vorhang zugezogen wird. Das Fenster sich nur der Sehnsucht öffnet.

Ihre Menschenbilder hat Gude Schaal ebenfalls aus der Erinnerung geschaffen. Ohne Modell. Ganz von innen heraus. Die Augen sind ausdrucksvoll groß und tief. Die Lippen berichten Eigenes. Das Persönliche wird einfühlend genau hervorgehoben. Unmittelbar und doch diskret. Gerade auch bei den jungen Menschen, die sie so verständnisvoll malt. Manchmal scheint sogar ihr feiner Humor durch. Wenn sie einem Jungen zum Beispiel einen gelben Hut aufsetzt. Oder wenn in ernsten Gesichtszügen ihre vielsagenden Lebensfarben zu lächeln scheinen.

Gude Schaal hat fast alle ihre Bilder dunkel grundiert. Sie hat sich - darauf anspielend - selbst als Malerin in Moll bezeichnet. Deshalb die ernste Grundtonart ihrer Kunst. Eine gewisse Schwere und Kantigkeit vielleicht auch; aber sie verharrt nicht im Trüben, sondern bringt ihre Farben, auch die dunklen, wundersam zum Leben und zum Leuchten. Sogar ihre Stillleben, die beredte Selbstzeugnisse sind, vermögen leise und inwendig zu strahlen. Die Begebenheiten des Alttags erscheinen dann in einem existenziellen Licht. Das hat mit Verwandlung zu tun, jenem fundamentalen Begriff im Denken und Glauben Gude Schaals, den sie auch auf den Tod bezieht. Er bedeutet ihr Verwandlung in eine andere, in eine - wie sie sagt - geistige Existenz. In diesem Aspekt der Verwandlung vom Sichtbaren ins Gleichnis, in die Vision deutet sich ein Gehalt der Kunst Gude Schaals an, der über die hohe malerische Qualität hinaus Wahrheit beinhaltet. Als sei Farbe, durch welche die Malerin spricht, selbst Summe des Lebens.

 

Hansdieter Werner

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